Prostatakrebs
Hoch-aggresiv, gestreut und keine Aussicht auf Heilung
Inhalt
Meine Erfahrung
Lynch-Syndrom und Prostatakrebs
Exkurs: Kann man Krebs besiegen?
Nebenwirkungen
“Hoch-aggresiv, gestreut und keine Aussicht auf Heilung“
klingt dramatischer, als es am Ende bei mir war.
Warum?
Sofern ein Tumor gestreut hat – beispielsweise durch Infiltration anderer Organe oder befallene Lymphknoten – sinken die Heilungschancen deutlich, da Metastasen schwerer zu behandeln sind. In diesem Fall wird nur noch eine Lebensverlängerung angestrebt bzw. – wie man es mir damals mitteilte – „die Lebensqualität sichern".
Es dauerte eine Zeit bis ich diese Aussage richtig einordnen konnte. Meine ersten Gedanken waren in etwa “die haben dich aufgegeben” und “wie lange habe ich noch?”.
Das war 2015. Und ich lebe immer noch – und das mit einer annehmbaren Lebensqualität, aber auch mit Nebenwirkungen!
Bei mir hatte der Tumor bereits den Enddarm und die Samenblase infiltriert, und zwei Lymphknoten waren befallen.
Durch den schweren operativen Eingriff und die anschließende Bestrahlung ergaben sich bei mir Nebenwirkungen, die meinen Alltag erheblich beeinflussten. Diese sind irreversibel und können nicht rückgängig gemacht werden. Es ging daher darum, einen neuen Standard zu halten bzw. zu finden. Eine Heilung im Sinne einer Rückkehr zum vorherigen Zustand war für mich ausgeschlossen.
Lynch-Syndrom & Prostatakrebs
Das Lynch-Syndrom ist im Zusammenhang mit Prostatakrebs sehr wohl relevant. Laut Studien beträgt das kumulative Risiko bei Lynch-Syndrom etwa 1 % im Alter von 50 Jahren und steigt bis zum Alter von 75 Jahren auf rund etwas 25 % (siehe PLSD). Das lebenslange Risiko wird auf ca. 30 % geschätzt. Dies entspricht einer etwa fünffach erhöhten Wahrscheinlichkeit gegenüber der Allgemeinbevölkerung! Ein Screening-Empfehlung für Männer mit Lynch-Syndrom wird daher diskutiert.
Für meinen Fall eher unwahrscheinlich, aber es ist auch nicht gänzlich auszuschließen.
Exkurs: Kann man Krebs besiegen?
Sicherlich. Liegt natürlich an mehreren Faktoren, wie der Aggressivität des Tumors, dem Zeitpunkt der Diagnose, dem gewählten Therapieansatz und natürlich den Ärzten.
Die Medien vereinfachen oft die Darstellung einer Krebserkrankung von Prominenten. Ein aktuelles Beispiel: Thomas Gottschalk:
Schaut man sich andere Meldungen zu ihm an, wird von einem “seltenen, bösartigen Tumor” berichtet. Außerdem war “viel mehr Gewebe vom Krebs befallen als vermutet“. Liegt eine Metastasierung vor, beträgt die Zwei-Jahres-Überlebensrate nach Angaben der Deutschen Sarkom-Stiftung nur noch bei etwa 13 Prozent. Dennoch wird sein Arzt mit den Worten “Wir nehmen an, dass die Heilung erreicht wurde.“ zitiert.
Deshalb tue ich mich schwer mit Meldungen über Prominente, die „den Krebs besiegt" haben, weil oft die Details nicht bekannt sind. Aus meiner Sicht ist es fahrlässig, wenn Medien solche Behauptungen pauschal aufstellen, zumal nur im Titel der Nachricht, ohne die Hintergründe zu kennen. Dadurch wird das Thema Krebs meines Erachtens für viele verharmlost. Es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass der Krebs nicht selten zurückkommt und – leider Gottes – doch zum Tod führt, obwohl zuvor von „…hat den Krebs besiegt…" gesprochen wurde (z.B. Patrice Aminati, Shannen Doherty).
Aber es gibt natürlich auch andere positive Beispiele, wie Björn Borg und die Handballbrüder Michael und Uli Roth.
Nebenwirkungen
Jede Krebserkrankung bringen Nebenwirkungen mit sich, mal mehr, mal weniger. Diese können das Leben weiter belasten und – wie bei mir – zu Depressionen führen.
Zudem führte die radikale Prostataktomie bei mir zu Inkontinenz und Impotenz – und das mit 49 Jahren.
Auch so etwas wird selten thematisiert. Warum nicht? Aus Scham?
Ich weiß es nicht! Deshalb habe ich mich nach meiner OP und Bestrahlung dazu entschlossen, über meine eigene Erfahrung schonungslos offen und tabulos zu berichten.
Mich hatte damals ein gewisser Kurt auf Facebook beeindruckt, denn er hatte seine Geschichte offen geteilt. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist, da ich seit einigen Jahren nicht mehr auf Facebook bin, aber er war es, der mich inspirierte, offen mit dem Thema umzugehen!
Falls du dich für meine Erfahrungen zum Thema Prostatakrebs interessierst, findest du unter dem Link unten alles dazu. Du kannst diesen gerne auch an Freunde oder Bekannte weiterleiten.
Quellen:
Deutsche Sarkom-Stiftung
University of Michigan Comprehensive Cancer Center
Dana-Farber Cancer Institute (u.a. Raymond et al., Genetics in Medicine 2013; Haraldsdottir et al., JCO 2014)
The Prospective Lynch Syndromes Database (plsd.eu)
Facebook
Bild Zeitung




